website design software

Ein Highschool Jahr in den USA

-A Life Experience is never wasted!-

Phänomen: Kulturschock

Das Wort klingt vertraut und einfach, stellt allerdings unter Umständen ein wichtiges Problem vieler Austauschschüler dar. Fast alle künftige Austauschschüler haben zumindest davor gehört, doch es scheint, als würde diese Sache im Vorbereitungsstadium eher weniger ernst genommen.

Ich persönlich lies die dazu gegebenen Informationen beim Vorbereitungsseminar an mir vorbei rauschen, hätte aber lieber besser zugehört.

Deswegen hier eine Erläuterung mit möglichen Auswegen aus der Krise.

Um das noch mal klar zu stellen: Der Kulturschock ist ein Prozess, der die Entwicklung deiner Gefühle während des Austauschjahres beschreibt. Nicht jeder leidet darunter, dennoch kommt die Mehrzahl spätestens nach 6 Monaten - etwa der Hälfte des Jahres- in diesen “schockartigen” Zustand.

Bildlich vorstellbar ist der Kulturschock beispielsweise als Achterbahnfahrt, oder einer mathematischen Sinusfunktion mit Maxima und Minima. Bezeichnen wir die Extrempunkte also mit den verschiedenen (klassischen) Stufen des Kulturschocks:

Honeymoon Phase, Krise, Erholungsphase und Anpassung, Rückschock. (In der Abbildung gefolgt von dem von mir zugefügten “Coping”)

Verlauf eines Kulturschocks (Zeitspannen subjektiv - bezogen auf persönliche Erfahrungen)

Erklärung

Am einfachsten ist es für uns, wenn wir davon ausgehen, dass der Kulturschock gleich zu Beginn das Jahres eintritt.

Nehmen wir also an, der Ursprung unsere Funktion ist die Ankunft am Flughafen unseres Austauschstaates. Man ist müde von der kräfteraubenden Anreise und wird von neuen Eindrücken überwältigt.

Der erste Hochpunkt des Kulturschocks ist bereits mit dem Honeymoon (dt: Flitterwochen) erreicht. Noch freut man sich über die Eindrücke der neuen Kultur, ist nahezu euphorisch, Erfahrungen sammeln zu können.  Es erschient einem fast wie ein schöner Urlaub, der vor einem liegt.

Kurz darauf passiert es allerdings, dass man in eine tiefe Krise stürzt. Es ist normal, eine gewisse Erwartungshaltung zu haben. Dennoch kann diese weit von der Realität abweichen und Gefühle der Enttäuschung und Wut hervorrufen. Man erwischt sich dabei, immer wieder Vergleiche zwischen der gewohnten und fremden Kultur anzustellen und sieht die Sitten und Verhaltensweisen im Gastland als lächerlich und bescheuert an. Auch der Wunsch, sofort nach Hause zu fahren kann dazu gehören. Schließlich fühlt man sich unfähig, mit diesen Unterschieden klar zu kommen, vielleicht auch, weil man hin und wieder in ein Kulturfettnäpfchen getreten ist.

Dazu gehört auch, dass man zunehmend das eigene Ich und bisherige Vorstellungen in Frage stellt. Dies führt zu Verwirrung, weil man nicht mehr weiß, was einem wichtig ist oder was man erwartet.

“Wer bin ich und was will ich eigentlich hier?” könnte eine Phrase sein, die in dieser Zeit das Denken bestimmt.

Dadurch mag es passieren, dass man sich mehr oder weniger gewollt von seiner Umgebung und vor allem den Menschen distanziert. Doch man muss in dieser Phase feststellen, dass gerade dies ein großer Fehler ist.

Amerikaner gestalten, wie man bis dahin sicherlich erfahren hat, zwischenmenschliche Beziehungen anders als Deutsche und nehmen diese auch weniger ernst. Stoßen sie auf Ablehnung, werden sie normalerweise keine weitere Zeit damit verschwenden, mit dieser Person zu interagieren und verschwinden von der Bildfläche.

Außerhalb der Gastfamilie mag das in kleinerem Stil zu verschmerzen sein, doch sobald man seine Hosties enttäuscht, kann es zu schweren Problemen und Streit kommen.

Es ist verständlich, dass manch einer lieber den Rückzug sucht und allein sein möchte (habe ich genauso versucht), es macht  aber keinen guten Eindruck.

Deshalb sollte man unbedingt darüber reden, warum man sich so verhält und um Verständnis bitten. Beachten sollte man aber, nicht unbedingt alles offen auszusprechen, denn Kritik an ihrem Land hören die Amerikaner genauso ungern wie Schimpfwörter.

Was man sonst machen kann beschränkt sich auf das schlichte Abwarten, denn mit der Zeit gewöhnt man sich an die neuen Umstände und erlangt fast automatisch die Fähigkeit damit umzugehen. Mit dem Wissen wächst auch das Selbstvertrauen. Vielleicht können die Gastfamilie oder andere Austauschschüler dazu beitragen, dass es besser wird, indem sie dich etwas ablenken und motivieren.

Hat man Akzeptanz für die Kultur erreicht und fühlt sich zunehmend sicherer im Gastland, befindet man sich wahrscheinlich bereits in der Erholungsphase von der Krise.

Diese geht dann fast fließend in die der Anpassung über. Wenn man nicht mehr so stark zweifelt und dann auch fähig ist, die positiven Seiten zu entdecken, lernt man, das neue Leben zu mögen und zu genießen. Man geht dazu über, die Kultur nicht nur zu akzeptieren, sondern sie bereits zu verstehen. Man passt sich an und wird zu einem gewissen Punkt Amerikaner. Beispielsweise beginnt man, bestimmte Verhaltensweise zu übernehmen. Zu diesem Punkt sollte auch die Sprache kein großes Problem mehr darstellen und die Angst, etwas falsch zu formulieren, verschwunden sein.

Das ist dann sicherlich die Zeit, die kurz vor Ende des Jahres statt findet. Wenn man aufhören muss, ist es immer am schönsten. Denn dann, wenn man sich im Gastland richtig wohl fühlt, würde man gerne ein Jahr anhängen um das zu beenden, was man sich jetzt aufgebaut hat.

Wenn man aber dann im Flugzeug Richtung Heimat sitzt, deutet sich schon der Rückschock an. Das ist jene Phase, in der man sich weigert, das Erlernte abzulegen und wieder in alte Gewohnheiten zurück zu fallen. Diese Phase ist die schwerste.

Man mag es nicht gleich bemerken, aber es wird nicht so problemlos klappen, das umzusetzen was man sich vorgenommen hat. Mittlerweile bemerkt man einige Veränderungen an seiner Persönlichkeit und hat die höchste Motivation nun zu zeigen, was aus einem geworden ist. Hinzu kommt bei einigen die Euphorie, endlich wieder in dem Land zu sein, von dem man genau zu wissen glaubt, wie es funktioniert. Doch eigentlich geht die Schockphase wieder von vorn los, denn man muss sich wieder umgewöhnen und ist vielleicht enttäuscht, wenn man glaubt, letztendlich wieder derjenige zu sein, der man vor dem Austauschjahr war. Das ist man aber nicht, auch wenn man es selbst nicht mehr bemerkt.

Man findet sich selbst in einer vertrauten, doch so fremden Umgebung wieder, die sich weiterentwickelt hat, während man im Ausland gekämpft hat. Nichts ist mehr wie es war, denn alles passierte ohne einen und sich daran zu gewöhnen ist ein Kraftakt. Denn man kann sich nicht anmaßen wieder zu kommen und kommentarlos integriert zu werden. Man fühlt sich wieder fremd, weil alles anders ist als vorher. Manch einer verliert den alten Freundeskreis.

Und diese letzte Phase des Austauschjahres, die etwa ein Jahr nach der Rückkehr beendet ist, beginnt. Man muss sich wieder aus einem Tiefpunkt heraus ziehen und die Traumwelt des anderen Lebens in den Hintergrund rücken. Bis man sich wieder daran gewöhnt hat, und die Erlebnisse aus den USA verarbeitet sind, dauert es wieder eine ganze Weile. Ich persöonliche nenne diese letzte Phase “Coping”

Die USA sind Vergangenheit, Deutschland ist die Zukunft. Aber wie vereint man diese beiden Welten?

Siehe auch: Blogeintrag - “Back Home. There’s been something.” jetzt lesen

Tipps und Gedanken über die Schockzeit

Viele Austauschschüler berichten, dass es mindestens ein halbes Jahr gedauert hat, bis sie sich vollständig eingelebt und Anschluss gefunden hatten. Dazu zählen nicht nur die zurückhaltenden sondern auch teilweise jene, die zu Hause in keiner weise soziale Probleme hatten.

Der Verlauf hängt natürlich sehr vom Persönlichkeitstyp und der Höhe der Stress-Toleranzgrenze des Einzelnen ab. Über den Daumen würde ich behaupten, das unbeschwerte und eher spontane Typen die wenigsten Probleme haben, während die nachdenklichen und analytischen Typen (ich zähle mich dazu) sich eher schwer tun werden, die Zurückhaltenden und Schüchternen eingeschlossen. Doch gerade für letztere hat ein problematisches Austauschjahr positive Auswirkungen, da sich die Persönlichkeit stets zum Guten entwickelt. Eine Ladung Lebenserfahrung ist immer mit drin.

Also bitte immer dran denken: Du bist kein unfähiger Idiot. Es braucht Zeit, sich an die Veränderungen zu gewöhnen und sich zu hetzen und zu zwingen bringt in den meisten Fällen überhaupt nichts. Lass es die Zeit regeln, es wird auf jeden Fall besser. Wenn es dir hilft: Im Austauschjahr hast du nichts zu verlieren, nur gewinnen, also sei ab und zu mutig. Lass dich auch von Misserfolgen nicht motivieren und bleibe am Ball. Es wird so sein, dass die Menschen dich immer wieder mit ihrer Freundlichkeit und Herzlichkeit überraschen und dir so deine Angst nehmen.

Ich denke auch, dass drüben das Motto “You get what you give” gilt. Wichtig ist es also, viel Einfühlungsvermögen zu haben und Toleranz die oberste Regel zu nennen. In den meisten Fällen einfach mal den Mund zu halten, ist eine gute Devise, auch wenn es schwer fällt. diskusssionsfreudig sind die Amerikaner nämlich im Kontrast zu den Deutschen eher weniger. Denk dir deinen Teil.

Und außerdem: Man könnte dir vorwerfen, dass es dir die Erfahrungen nimmt, wenn du etwas längere Zeit brauchst, bist du dich eingewöhnt hast und du dadurch eher zurückgezogen bist. Das ist nüchtern gesehen richtig, allerdings nur oberflächlich betrachtet. Die wichtigsten Erkenntnisse für dich persönlich und über die Bedeutung von kultureller Identität wirst du in den Zeiten des Zweifels machen, die dir später noch sehr von Nutzen sein können.

Es wäre schlichtweg unfair, wenn du pausenlos auf Unverständnis stoßen würdest. Kommentare wie: “You STILL have problems?? How long have you been here?!” können sich die lokalen Betreuer also sparen. Ihre Toleranzgrenze für die Verhaltensweisen anderer Kulturen ist in dem Fall gleich beschränkt.

Manchmal denke ich, es ist sogar besser, intensivere Erfahrungen zu machen, als problemlos durchzuschlittern und ein paar schöne Monate verbracht zu haben, die zwar in Erinnerung bleiben, aber keine Erfahrungen mit sich bringen. Besonders in der Abiturzeit und dem Studium sind Themen wie Kultur und Globalisierung ein wichtiger Bestandteil des Stoffes, wo manche Gedankengänge leichter fallen werden, da man die nötigen Erfahrungen hat.

(- Ehemalige Austauschschüler ohne Probleme nehmen diese subjektiven Kommentare von mir bitte nicht persönlich oder sehen sie als Diskriminierung an. Ich versuche hier nur, meine Meinung zum Thema darzustellen und mir meine Zeit etwas schmackhafter im Gedächtnis zu behalten. Natürlich bin ich verdammt neidisch auf alle die einen Haufen guter Freunde, mit denen sie immer noch in Kontakt sind, gefunden haben und ein Hammer Verhältnis zu ihrer Gastfamilie hatten. )

Wie man auch immer sein Austauschjahr erlebt hat, es war niemals umsonst. Manch einer sagt, alles passiert aus einem bestimmten Grund. Will man es aber allgemeiner und neutraler formulieren sagt man einfach:

“A life experience is never wasted.”

Das sollte man sich jederzeit zum Motto machen, das es der Wahrheit entspricht.

 

 

© usa-exchange.eu  2011

Besucher 2011:

 

Letzte Aktualisierung: 21.05.2011